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	<title>Briefe an uns &#8211; Straßen aus Zucker</title>
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	<title>Briefe an uns &#8211; Straßen aus Zucker</title>
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		<title>Brief an uns: »Für viele ist der Einstieg in die Konsumkritik die Vorstufe zur Systemkritik.«</title>
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		<dc:creator><![CDATA[strassenauszucker]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Dec 2019 10:58:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe an uns]]></category>
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					<description><![CDATA[Kommentar zum Artikel „Weltrettung im Biosupermarkt“ Guten Tag, Vieles richtige steht in dem Artikel, aber dennoch finde ich, dass einige wichtige Aspekte übersehen werden. Für viele ist der Einstieg in die Konsumkritik, die Vorstufe zur Systemkritik. Eine Bewusstwerdung darüber, dass da einiges im Argen liegt. Und ein Verstehen von Auswirkungen unserer Lebensweise. Sicherlich kommen viele [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading"><strong>Kommentar zum Artikel „Weltrettung im Biosupermarkt“</strong></h4>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p>Guten Tag,</p>



<p>Vieles richtige steht in dem Artikel, aber dennoch finde ich, dass einige wichtige Aspekte übersehen werden.</p>



<p>Für viele ist der Einstieg in die Konsumkritik, die Vorstufe zur Systemkritik. Eine Bewusstwerdung darüber, dass da einiges im Argen liegt. Und ein Verstehen von Auswirkungen unserer Lebensweise. Sicherlich kommen viele auch nicht an den Punkt, die Systemfrage zu stellen. Trotzdem ist es eine Chance und ein wichtiger Lernprozess. Konsumkritik ist mehr, als nur welcher Konzern ist weniger schlimm. Sondern auch, was kann überhaupt unter &#8222;nicht-toxischen&#8220; Bedingungen hergestellt werden. Da scheinen mir doch so manche Linke im Lala-Land zu leben. Viele Güter und Dienstleistungen könnten niemals unter nichtausbeuterischen Bedingungen jedem Menschen dieses Planeten zur Verfügung stehen. Da gehört halt auch das Fliegen dazu. In einem menschen- und umweltfreundlicheren System wird unsere Lebensweise keinen Platz haben.</p>



<span id="more-1291"></span>



<p>Ich sehe keine Revolution die ohne faschistoide Maßnahmen einer solchen Lebensweise in naher Zukunft das Ende bereiten könnte. Deshalb sehe ich hier nur einen gesamtgesellschaftlichen Lernprozess, der ein total anderes Mindset hat als die aktuelle Gesellschaft, als Ausweg. Dazu gehört es, die Verheerungen des Kapitalismus sichtbar zu machen, um überhaupt zu verstehen wohin es gehen müsste. Der Kapitalismus hat die Welt so stark abstrahiert, dass die Welt erst wieder gefunden werden muss. Und da ist der Verzicht aufs Fliegen zumindest ein Statement. Das bringt Menschen zum Denken, das schafft Diskussionen. Und jedes Bisschen, dass mehr in die Atmosphäre geblasen wird, verschärft die Lage. Wer glaubt mir denn, dass ich für eine bessere Welt kämpfe, wenn ich vor aller Augen auf diese scheiße.</p>



<p>Klar Konsumkritik ohne Kapitalismuskritik ist keine Lösung. Das zu benennen bleibt wichtig.</p>



<p>Cheers</p>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><em>Hej L.,</em></p>



<p><em>es freut uns, dass unser Artikel Dich zum Weiterdenken angeregt hat. Zunächst würden wir Dir zustimmen, Konsumkritik kann ein Einstieg in die Politisierung sein und sollte nicht einfach weggelacht werden. Sicherlich gibt es auch Menschen in der Linken, die das Argument, demnach das Problem in der grundsätzlichen Organisation der Gesellschaft und weniger bei Einzelnen liege, als Freifahrtschein verwenden, um sich scheiße zu verhalten. Dass es sinnvoll sein kann, das eigene Verhalten zu ändern, um Diskussionen anzuregen, schneiden wir ja in dem Artikel auch kurz an.</em></p>



<p><em>Allerdings, und da würden wir Dir widersprechen, führt Konsumkritik gerade nicht zu einem &#8222;Verstehen der Auswirkungen unserer Lebensweise&#8220;, wie Du schreibst. Das ist ja gerade das Perfide: Es scheint so, als hätte mensch etwas verstanden, obwohl die Konsumentscheidungen der Einzelnen eigentlich gar nicht an die Wurzel des Problems herankommen. Das wird an einem Beispiel deutlich. Du schreibst: &#8222;Viele Güter und Dienstleistungen könnten niemals unter nichtausbeuterischen Bedingungen jedem Menschen dieses Planeten zur Verfügung stehen&#8220;. Im Umkehrschluss würde das ja bedeuten, dass man nur die Güter und Dienstleistungen identifizieren und konsumieren muss, die unter &#8222;guten&#8220; Bedingungen hergestellt werden, Zugreisen zum Beispiel. Wir würden aber sagen, dass es so etwas wie &#8222;gute&#8220; oder &#8222;faire&#8220; Bedingungen unter kapitalistischer Produktionsweise nicht gibt. Unter den marktwirtschaftlichen Bedingungen der Konkurrenz ist es eben gerade nicht die einzelne Entscheidung von Politiker*innen oder Firmenchef*innen, sondern es sind die Zwänge dieser Produktionsweise, die zur Katastrophe für Mensch und Umwelt führen: Es muss möglichst günstig und profitorientiert produziert werden, um in der Konkurrenz gegenüber anderen Unternehmen oder Wirtschaftsstandorten nicht auf Dauer den Kürzeren zu ziehen. Und auch Unternehmen, die sich &#8222;faire&#8220; Arbeitsbedingungen oder eine &#8222;ökologische&#8220; Produktion auf die Fahnen schreiben, müssen irgendwie Profite erwirtschaften, um auf Dauer nicht in der Konkurrenz unterzugehen.</em></p>



<p><em>Die Suche nach &#8222;guten&#8220; Produkten führt dazu, dass diese eigentlichen Ursachen für Krisen und Ausbeutung nicht mehr gesehen werden können und daher bestehen bleiben. Das bedeutet, es reicht nicht aus das &#8222;Mindset&#8220; zu verändern, von dem du schreibst (zumal sich unter kapitalitischen Bedingungen das &#8222;gute/faire&#8220; Mindset auch erstmal finanziell leisten können muss). Die Menschen müssen zudem ein grundlegendes Verständnis davon gewinnen, dass wir Gesellschaft nicht weiter über Konkurrenz und Markt organisieren können.</em></p>



<p><em>Anstatt zu versuchen sehr viel Zeit in den eigenen Konsum zu investieren, sollten wir uns daher lieber zusammentun und durch Aufklärung, Kritik und politische Auseinandersetzungen an einer radikalen, d.h. grundlegenden, Veränderung der Gesellschaft arbeiten. Ob man das dann &#8222;Revolution&#8220; nennt ist eigentlich egal. Klar ist aber auch: Einerseits werden gesellschaftliche Veränderungen zum Teil immer auch gegen gegenläufige Interessen durchgesetzt werden müssen, andererseits lehrt uns die Geschichte, dass gesellschaftliche Emanzipation nicht mit autoritären Methoden durchgesetzt werden kann.</em></p>



<p><em>Viele Grüße</em></p>



<p><em>Deine SaZ</em></p>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p>Hejo SAZ,</p>



<p>danke für eure ausführliche Antwort! Das hilft mir noch etwas mehr den besagten Artikel zu verstehen. Vielleicht wird es noch etwas verständlicher warum ich so denke, wenn ich euch sage das ich mich zuerst mit Systemkritik beschäftigt habe, aber mir doch alles sehr abstrakt vorkam. Damals konnte ich nur in Revolution im klassischen (etwas infantilen) Sinne denken. Dabei schien mir deren Erreichbarkeit sehr sehr weit weg, was mich doch etwas ohnmächtig zurückgelassen hat. So kam ich auf die Konsumkritik, informierte mich wer, was schlimmes macht. Bis mir klar wurde, dass es unüberschaubar wird, bzw. alle möglichen Arten von Siegeln (z.B. FSC) totale abzocke sind. Erst da wurde mir persönlich klar, dass eine lebenswertere Welt in vielen Etappen erarbeitet und erkämpft werden muss.</p>



<p>So habe ich mich auf den Weg gemacht und jetzt stehe ich hier.</p>



<p>Ich verstehe eure Perspektive, aber nicht jeder schaut aus der gleichen Richtung <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f609.png" alt="😉" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /></p>



<p>Dennoch gibt es meiner Meinung nach bestimmte Konsumentscheidungen die mit einer besseren Welt nicht vereinbar sind. Denn, wenn ich zum Beispiel Treibhausgase emittiere verändere ich faktisch damit die Atmosphäre. Ich zerstöre aktiv die Grundlagen für eine lebenswertere Welt. Je kaputter die Ökosysteme sind, desto schlechter wird die Lebensgrundlage in egal welcher Art von</p>



<p>Gesellschaft sein. Des Weiteren gehe ich davon aus, dass die Klimakatastrophe den rechten, totalitären Kräften in die Karten spielen wird.</p>



<p>Dabei lass ich es jetzt mal bewenden.</p>



<p>Ich mag eure Zeitung und hoffe es gibt bald wieder eine neue Ausgabe.</p>



<p>Beste Grüße</p>



<p>ein Dorfkind</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Brief an uns: »Nicht, dass ich Antikapitalismus nicht befürworten würde – ich habe ihn nur nicht als meine persönliche Mission auserkoren.«</title>
		<link>https://www.strassenauszucker.tk/2019/12/nicht-dass-ich-antikapitalismus-nicht-befurworten-wurde-ich-habe-ihn-nur-nicht-als-meine-personliche-mission-auserkoren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[strassenauszucker]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Dec 2019 10:58:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe an uns]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Kommentar zum Zusammenhang von Klimaaktivismus und Antikapitalismus Liebe SaZ-Redaktion, eure Zeitschrift ist mir am Freitag beim Nicht-Klimastreik in die Hände gefallen. Mein erster Gedanke war: Puh, wieder so ein realitätsfremdes linkes Manifest. Ich war überrascht. Zuerst möchte ich euch ein großes Lob aussprechen dafür, dass ihr kritische Rückfragen vorweg nehmt und direkt in euren [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Ein Kommentar zum Zusammenhang von Klimaaktivismus und Antikapitalismus</h4>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p>Liebe SaZ-Redaktion,</p>



<p>eure Zeitschrift ist mir am Freitag beim Nicht-Klimastreik in die Hände gefallen. Mein erster Gedanke war: Puh, wieder so ein realitätsfremdes linkes Manifest. Ich war überrascht.</p>



<p>Zuerst möchte ich euch ein großes Lob aussprechen dafür, dass ihr kritische Rückfragen vorweg nehmt und direkt in euren Artikeln beantwortet. Bisher hatte ich die antikapitalistische Strömung der Umweltbewegung nicht inhaltlich verstanden. Die Frage, <em>warum</em> denn nun Umweltzerstörung, Kapitalismus, Nationalismus, etc. einander bedingen, stellt sich mir schon seit geraumer Zeit und eure Zeitschrift ist die erste, die sie mir sachlich, rational und in einem für mich zugänglichen Stil beantworten konnte. (Trotzdem zieht ihr an stellenweise Schlussfolgerungen und Assoziationen, die mir zumindest ohne zusätzliches Wissen nicht folgerichtig erscheinen, z.B. dass Marktwirtschaft gleichbedeutend mit Kapitalismus ist.)</p>



<span id="more-1317"></span>



<p>Ich bin zu meinem Leidwesen aber absoluter Pragmatiker: Die für mich entscheidende Frage ist immer: &#8222;Und wie funktioniert das dann genau?&#8220;. Ich erkenne an, dass ich das mitunter als Ausrede gebrauche, nicht so zu Handeln, wie ich es vielleicht sollte, und bemühe mich um Besserung. Trotzdem fällt mir auf, dass ihr in euren Artikeln vorwiegend (zu Recht) kritisiert. Was ich aber gerne wüsste ist, wie konkret euer Alternativentwurf aussieht.</p>



<p>Ich folge eurer Argumentation auch absolut, dass Umweltzerstörung, Kapitalismus, Nationalismus, Rassismus und Feminismus in engem Zusammenhang stehen und einander bedingen und verstärken. Trotzdem stimme ich der Aussage, Klimaaktivismus müsse z.B. antikapitalistisch sein, nicht zu. Nicht, dass ich Antikapitalismus nicht befürworten würde &#8211; ich habe ihn nur nicht als meine persönliche Mission auserkoren und streite daher allenfalls als Nebeneffekt dafür. Das tue ich im Vertrauen darauf, dass andere genau das umgekehrte tun. Mit dieser Position fühle ich mich durch vorgenannte Aussage ausgeschlossen oder abgeschreckt. Ich würde mir eine inklusivere Konzeption wünschen, welche die Diversität in den von euch angesprochenen (zweifellos sich stark überschneidenden) Strömungen respektiert.</p>



<p>Diese beiden Punkte schreien für mich nach einer Vision, wie die Zukunft aussehen soll. Klar, es wird nicht wirklich möglich sein, da eine für alle akzeptable Antwort drauf zu finden, aber auch eine Idee, ein globales Konzept, wäre etwas, worauf wir hinarbeiten könnten. Ihr werdet antworten: Der Kommunismus. Nun habe ich aber nicht wirklich die Zeit, Das Kapital zu lesen und das kommunistische Manifest finde ich doch ein wenig aus der Zeit gefallen. Daher meine abschließende Frage: Gibt es Ressourcen, in denen eure politische Utopie beschrieben wird? Oder noch besser: in denen man diese gemeinschaftlich hinterfragen und weiterentwickeln kann?</p>



<p>Viele Grüße</p>



<p>M</p>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><br>Dear M,<br><br>sorry, dass wir erst jetzt antworten. Wir haben uns über Deine ausführliche Mail gefreut und auch, dass wir Dich überraschen konnten. Ich bin Hannah und antworte für die SaZ, jedoch ging die Mail auch über unseren Verteiler und Leute konnten Sachen anmerken. Daher ist das Folgende die Meinung der ganzen Redaktion und nicht bloß meine eigene <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f642.png" alt="🙂" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /></p>



<p>Du sprichst viele wichtige Fragen an. Wir hoffen, dass wir nichts vergessen haben:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>&#8222;Marktwirtschaft ist gleichbedeutend mit Kapitalismus&#8220;.</p></blockquote>



<p>Das setzen wir bewusst. Unter Kapitalismus verstehen viele erstmal Verschiedenes. Für die Meisten beschreibt der Begriff &#8222;Auswüchse&#8220; von einigen Gierigen, etwa großen Konzernen, die gebändigt werden müssen. Dazu entstanden Begriffe wie (soziale) Marktwirtschaft oder es wird die Förderung des verkitschten &#8222;Familienbetriebs&#8220; gefordert. Wir hingegen sagen, dass die Organisation von Bedürfnisbefriedigung über den Markt das zentrale Problem des Kapitalismus ist. Das bedeutet, dass die Produkte nicht nach den Bedürfnissen aller Menschen produziert werden, sondern nur nach den Bedürfnissen derjenigen, die auch dafür bezahlen können. Wir meinen, das dadurch hervorgebrachte Leiden ist kein Auswuchs, sondern der Normalbetrieb im Kapitalismus.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>&#8222;Ich bin zu meinem Leidwesen aber absoluter Pragmatiker&#8220;</p></blockquote>



<p>Wir bei der SaZ auch! Weswegen wir nicht einfach im Kreise von Freund*innen unsere Kritik loswerden und das wars. Sondern wir haben diese Zeitschrift aufgezogen und buttern da ziemlich viel Zeit rein. Aber ok, Du meinst was anderes. Und sagst selbstkritisch, vielleicht wäre das auch manchmal nur eine Ausrede, um nichts zu machen. Das glauben wir gar nicht. Erstmal lässt sich ja sagen, dass &#8222;etwas&#8220; Machen gar nicht so einfach ist. Wir haben hier im Text <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.strassenauszucker.tk/2011/05/fang-bei-dir-selber-an/" target="_blank"><em>Fang bei Dir selber an</em></a> uns mal verschiedene Fragen dazu gestellt.</p>



<p>Wir glauben, der erste Schritt sollte immer eine Kritik sein. Natürlich entwickelt sich diese auch im Prozess der Praxis weiter und muss immer wieder umgearbeitet und durch den Selbstkritik-Kakao gezogen werden. Aber wenn mensch nicht weiß, wie eine Sache funktioniert, kann auch die Reparatur nicht klappen. Wer meint, dass die Organisierung von Produktion über den Markt (=kapitalistische Produktionsweise) ja eine ziemlich tolle Angelegenheit wäre, würde es nicht immer einzelne böse Kapitalist*innen geben, die aus Gier alles durcheinanderbringen, wird auf andere &#8222;pragmatische Lösungen&#8220; setzen als wir, die sagen, dass diese Produktionsweise notwendig (und nicht weil einzelne Böses tun) zu Elend führt. Wie das dann genau aussieht &#8211; warum sich dieses &#8222;notwendig&#8220; in der Praxis immer wieder durchsetzt, auch wenn zB Leute etwas ganz anderes wollen (ganz lieb zu den Arbeiter*innen sein, Umweltstandards übererfüllen) &#8211; müsste dann im Einzelnen diskutiert und analysiert werden. Hier glauben wir, dass das von Dir angesprochene &#8222;Kapital&#8220; von Marx ziemlich gut zur Erklärung helfen kann. Falls Du Zeit findest, dass in Lesekreisen zu lesen, ist das schon sehr sinnig &#8211; in Berlin bietet beispielsweise die Rosa Luxemburg Stiftung jedes Jahr kostenlos angeleitete <a href="https://www.rosalux.de/veranstaltung/es_detail/UJ88E/das-kapital-lesen-2020---band-1/">Lesekreise</a> an.</p>



<p>Oder wenn Du erstmal nur reinschnuppern willst, lohnt sich Michael Heinrichs <a rel="noreferrer noopener" href="http://www.theorie.org/titel/697_kritik_der_politischen_oekonomie" target="_blank">Einführung</a>, die liegt jetzt in der 14. Auflage bei <a rel="noreferrer noopener" href="http://theorie.org" target="_blank">theorie.org</a> vor und kostet 12 Euro.</p>



<p>Die ganze Frage &#8222;Kritik schön und gut, aber was wollt ihr denn?&#8220; ist eine sehr große. Wir haben uns dazu sogar in einer eigenen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.strassenauszucker.tk/wp-content/uploads/2017/07/strassenauszucker12.pdf" target="_blank">Ausgabe</a> Gedanken gemacht.</p>



<p>Zu der Frage der Kritik an der kapitalistischen Produktionsweise und Deinem verständlichen Wunsch: </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>&#8222;Ich würde mir eine inklusivere Konzeption wünschen, welche die Diversität in den von euch angesprochenen (zweifellos sich stark überschneidenden) Strömungen respektiert.&#8220;</p></blockquote>



<p>Den Wunsch können wir deswegen gut verstehen, weil wenn eigene Gedanken kritisiert werden, sich dass manchmal ganz schön doof anfühlt. Und manchmal wird die Kritik ja auch so vorgebracht, dass die verletzen<br>soll. Das muss dann als solches kritisiert werden. Was wir aber trotzdem glauben ist, dass dieser Diversitätswunsch dem Wunsch auf Änderung entgegensteht. Das hört sich zwar erstmal schön an: getrennt kämpfen, vereint schlagen. Und weil wir wollen, dass sich viele Allianzen bilden, halten wir daran auch was für richtig. Aber trotzdem muss sich diese Allianz eben um eine Kritik herum bilden. Klar muss um diese gestritten werden und sich auch dafür eingesetzt werden, dass sich das beste Argument durchsetzt (und nicht die Person, die vielleicht immer mehr sagt oder am lautesten schreit. Oder andere, die sagen, bestimmte Personen müssten aufgrund ihrer gesellschaftlichen Position besonderes Gewicht haben). Aber dann muss es eben um eine vernünftige Kritik gehen, denn um beim obigen Beispiel zu bleiben: Wer meint, Marktwirtschaft sei an sich dufte, aber einige seien eben gierig, wird wohl versuchen, diese Schädiger ausfindig zu machen. Das würde eher unsere Gegenwehr hervorrufen &#8211; und keinen Gedanken an: &#8222;Ist ja egal, Protest gegen den Kapitalismus soll ja divers sein&#8220;. Andere sagen, der Zins ist schuld, ein sehr gefährlicher Gedanke. Wieder andere wollen mehr Sozialstaat. Über all diese Dinge muss mensch streiten und damit dieser Streit ein informierter ist, braucht es Wissen.</p>



<p>Und ganz pragmatisch. Einige sagen: Green New Deal. Wir sagen: Bedürfnisbefriedigung. Was eben auch heißt, Klimawandel stoppen soll nicht über den Markt organisiert werden. Weil der dafür gar nicht ausgerichtet ist, denn die Unternehmen müssen ja möglichst billig produzieren, um sich gegen ihre Konkurrenz durchzusetzen. Wie soll da der Gedanke Sinn machen, wir kämpfen zusammen, jede an ihrem Platz? Du sagst zwar: &#8222;Das tue ich im Vertrauen darauf, dass andere genau das umgekehrte tun.&#8220; Aber, da wollen zwei etwas Gegenteiliges und das muss in die Diskussion führen und nicht in ein &#8222;Lass uns divers sein&#8220;. Klar, es gibt auch mal Zweckbündnisse, weswegen wir uns auch an Klimaprotesten beteiligen, die Forderungen vorantragen, die wir nicht teilen. Aber zugleich verweisen wir immer darauf: Es muss um die Inhalte gestritten werden, freundlich und selbstkritisch, aber doch auch bestimmt im Inhalt. Oft wird das verwechselt mit dem Ausgrenzen von bestimmten Positionen. Das macht aber auch Sinn, wenn Menschen im Klimaschutz menschenfeindlich sind. Zum Beispiel, wenn Leute sagen: Umweltschutz ist Heimatschutz, deswegen müssen die Grenzen dicht für Geflüchtete sein.</p>



<p>Das ist natürlich was anderes, wenn jemand mit: &#8222;Go Green New Deal Go&#8220; neben mir auf der Demo läuft, das würden wir ja auch nicht runterreißen. Aber trotzdem die Person ansprechen und das kritisieren. Und klar kann die Person dann sagen: Du hast Deine Position, ich meine. Aber das wird der Sache, den Klimawandel aufzuhalten, nichts nützen, da das, wie wir meinen, eben nur ohne Marktwirtschaft, Nation(alismus) usw geht.</p>



<p>Puh, ganz schön lang geworden. Wir hoffen, wir haben alle Fragen und<br>Kritikpunkte von Dir beantwortet.</p>



<p>Liebe Grüße</p>



<p>Hannah für die SaZ</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Brief an uns: »Wie soll kollektive Vernunft weltweit erreicht werden?«</title>
		<link>https://www.strassenauszucker.tk/2017/12/wie-soll-kollektive-vernunft-weltweit-erreicht-werden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[strassenauszucker]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Dec 2017 13:58:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe an uns]]></category>
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					<description><![CDATA[Über Wege in die befreite Gesellschaft Liebe Zuckerbäcker, auch ich halte den Kommunismus für die perfekte Gesellschaftsform undhabe Euer Blatt mit Interesse gelesen. Es enthält aus meiner Sicht einige logische Brüche, deren Diskussionhier zu weit führen würde, aber einen sehr wesentlichen Aspekt, der sogut wie gar nicht berücksichtigt wird, möchte ich hieransprechen: Wie können die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Über Wege in die befreite Gesellschaft</h4>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p>Liebe Zuckerbäcker,</p>



<p>auch ich halte den Kommunismus für die perfekte Gesellschaftsform und<br>habe Euer Blatt mit Interesse gelesen.</p>



<p>Es enthält aus meiner Sicht einige logische Brüche, deren Diskussion<br>hier zu weit führen würde, aber einen sehr wesentlichen Aspekt, der so<br>gut wie gar nicht berücksichtigt wird, möchte ich hier<br>ansprechen:</p>



<span id="more-1305"></span>



<p>Wie können die Trumps, Höckes, Erdogans, Winterkorns, Ackermanns,<br>Honeckers, Merkels, usw. dieser Welt dazu bewegt werden, ihre<br>Machtgier über Bord zu werfen und ihre überdurchschnittlichen<br>Fähigkeiten in den Dienst der gemeinsamen (kommunistischen) Sache zu<br>stellen? Sie werden &#8211; egal in welchem System &#8211; immer nach einer<br>herausragenden Position streben und dafür ihre intellektuellen<br>Fähigkeiten und ihre Skrupellosigkeit einsetzen.</p>



<p>Und wie können die Anhänger der Trumps, Erdogans, Höckes, usw, deren<br>intellektuelle Fähigkeiten nicht ausreichen, um zu erkennen, dass<br>durch gemeinschaftsorientiertes Denken und Handeln der größte Vorteil<br>für alle entsteht, auf diesen Weg gebracht werden?</p>



<p>Kommunismus setzt kollektive Vernunft voraus. Die ist aber nur in sehr<br>kleinen abgegrenzten Kreisen tatsächlich vorhanden. Wie soll diese<br>Kollektive Vernunft weltweit völkerübergreifend erreicht werden?</p>



<p>Ich bin gespannt auf Eure ‚Schulungskonzepte&#8216;.</p>



<p>Viele Grüße</p>



<p>H</p>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p>Liebe*r H,</p>



<p>vielen Dank für deine Nachricht und entschuldige unser langes Schweigen.<br>Du hast da eine nicht ganz einfach zu beantwortende Frage gestellt, über die wir lange diskutiert und uns die Köpfe zerredet haben und dann am Ende zu dem Schluss gekommen sind, dass es leider wohl keine Antwort und schon gar keine „Schulungskonzepte“ geben kann.</p>



<p>Trotzdem wollen wir dir zumindest unsere Gedanken zum Thema mitteilen. Diese Gedanken sind immer wieder auf einen Satz zurückgekommen, der eine Antwort bilden könnte:</p>



<p>Wir wollen eine Gesellschaft bauen, in der Scheißverhalten sich einfach nicht mehr lohnt. Das mag vielleicht banal und oberflächlich wirken, beinhaltet aber schon vieles, so glauben wir. Bertolt Brecht bezeichnete den Kommunismus als „das Einfache, das schwer zu machen ist“ und verwies damit auf den Widerspruch zwischen Utopie und politischer Praxis, auf die „Mühen der Ebene“.</p>



<p>So verhält es sich mit deinem Schreiben. Alle Menschen zu überzeugen, dass der Kommunismus funktioniert, ist sicherlich schwierig oder unmöglich und die &#8217;sozialistische Weltrepublik&#8216; wird sich auch nicht von heute auf morgen einführen lassen. Eine Möglichkeit ist sicherlich der gewaltvolle Umsturz, eine Revolution.</p>



<p>Die wollen wir aber nicht aus dem Grund, weil&#8217;s dann endlich schön knallt und dann von einem Tag auf den anderen alles anders wird, sondern weil wir davon ausgehen, dass es einen grundlegenden Bruch mit der derzeitigen Gesellschaft braucht. Damit kann man aber auch bereits im Hier und Jetzt anfangen. Sei es in Beziehungen, in WGs, in Politikgruppen oder auf Arbeit. Man kann Strukturen bilden, die sich auf Solidarität und nicht auf Konkurrenz bilden. Man kann mit Menschen respektvoll umgehen und sich nicht den herrschenden Normen von Sexismus und Rassismus unterwerfen. Man kann militant und widerständig handeln und der vielbesungene Sand im Getriebe sein und den kapitalistischen Alltagswahnsinn so gut es geht stören. Das alles kostet Mut und Kraft und geht nur gegen Widerstände. Es scheint uns aber – gerade auch unter gegenwärtigen gesamtgesellschaftlichen Kräfteverhältnissen – eine sinnvolle Möglichkeit. Vielleicht sogar eine erfolgreiche. Im besten Fall sogar eine vernünftige.</p>



<p>Apropos Vernunft. Den Aspekt machst du ja stark. Ein Punkt ist uns dabei wichtig und der kommt bei dir vielleicht etwas zu kurz: Vernunft existiert nicht unmittelbar. Sie ist nichts unabhängiges, überzeitliches oder übernatürliches, sondern immer in die Verhältnisse eingebettet.<br>Aktuell ist es für Besitzer_innen von Produktionsmitteln durchaus vernünftig, andere Menschen auszubeuten, im Kommunismus macht das keinen Sinn mehr. Mit dem Ende des Kapitalismus wird auch der Begriff der Vernunft, wie wir ihn im Jetzt kennen, verschwinden. Daran arbeiten wir.</p>



<p>Liebst</p>



<p>Straßen aus Zucker</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Brief an uns: »Der springende Punkt beim sogenannten &#8218;Degrowth&#8216; ist ja gerade, dass es nicht nur darum geht, mehr bio und fair zu kaufen.«</title>
		<link>https://www.strassenauszucker.tk/2017/12/der-springende-punkt-beim-sogenannten-degrowth-ist-ja-gerade-dass-es-nicht-nur-darum-geht-mehr-bio-und-fair-zu-kaufen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[strassenauszucker]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Dec 2017 13:58:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe an uns]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.strassenauszucker.tk/?p=1310</guid>

					<description><![CDATA[Über Degrowth Hallo SaZ-Team, ich habe in der aktuellen taz.am wochenende die neue SaZ gefunden und gelesen. Ich finde sie eine gute Sache! Es ist wichtig, über ganz andere Wirtschaftskonzepte nachzudenken und es ist schade, dass Blätter wie eures, die das tun, so sehr schmal vertreten sind und kaum Beachtung finden (stattdessen lieber tagesthemen und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Über Degrowth</h4>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p>Hallo SaZ-Team,</p>



<p>ich habe in der aktuellen taz.am wochenende die neue SaZ gefunden und gelesen. Ich finde sie eine gute Sache! Es ist wichtig, über ganz andere Wirtschaftskonzepte nachzudenken und es ist schade, dass Blätter wie eures, die das tun, so sehr schmal vertreten sind und kaum Beachtung finden (stattdessen lieber tagesthemen und F.A.Z.). Bei aller Liebe muss ich aber sagen, dass mir oben genannter Artikel ganz schön aufgestoßen ist. Ihr beschreibt Degrowth und das BGE dort wirklich viel zu einseitig, viel zu gefärbt und viel zu unumfassend. Ja, es stimmt, so viel Platz ist in der dünnen Zeitung nicht, da muss man komprimieren; aber das ist kein Grund, ganze zu einem Thema gehörenden Aspekte vollständig zu vernachlässigen, um für die eigene Sache zu werben.</p>



<p>Denn v. a. Degrowth hat enorm viel Potential aus unserer ausbeuterischen, absurden Weltwirtschaft eine zukunftsfähige zu machen. Es ist nicht wahr, dass es hierbei einzig darum geht, „Wachstum“ für böse zu erklären und ein mit der menschlichen Natur nicht vereinbares Nur-Mittel-kapitalistisches System aufzubauen. Aber so klingt es bei euch.</p>



<p>Es haben viele Menschen, viele, die sich jahrzehntelang mit umwelt-, sozial- und wirtschaftspolitischen Thematiken befasst haben, dicke Bücher über ihre Idee für nachhaltiges Wirtschaften geschrieben. Zum Beispiel haben Niko Peach, Harald Welzer, Franz-Josef Radermacher, Mathias Weik, Mark Friedrich, Redakteur*innen der Monde diplomatique, Bonita Matofska, Felix Finkbeiner und und und solche veröffentlicht, Aktionen gestartet und alternative Konzepte entwickelt. All diese Ideen werden landläufig mit einem einzigen Begriff handhabbar gemacht, obschon er wirklich unzureichend beschreibt, was tatsächlich dahinter steckt. Dieser Begriff „Degrowth“ verhindert eine ernsthafte Auseinandersetzung mit ihnen, weil er sie auf einen einzigen Aspekt reduziert.</p>



<p>In Wirklichkeit aber geht es um so viel mehr. Es wird in diesem Zusammenhang über die Natur des Menschen philosphiert, über Ökologie, über Kommunismus und Kapitalismus, über Kooperation, Regionalwährungen, Guerilla Gardening, Bildung, Demokratie, Pazifismus. Kurz: Mit der Entwicklung eines neuen Wirtschaftskonzeptes geht auch hier ein allgemeiner gesellschaftlicher Wandel einher &#8211; oder andersherum. Viele Ideen sind kommunistisch inspiriert; schon mal von der Sharing Economy gehört?</p>



<p>Der springende Punkt beim sogenannten „Degrowth“ ist ja gerade, dass es nicht nur darum geht, mehr bio und fair zu kaufen, was &#8211; wir ihr ja richtig feststellt &#8211; völlig unnachhaltig ist, weil nicht realisierbar außer für eine finanzielle Elite. Aber so stellt ihr das dar. Das finde ich enttäuschend, weil gerade euch müsste doch so etwas interessieren. Das ist doch ein Teil der friedlichen, Schritt-für-Schritt-Revolution, die Idealist*innen sich wünschen. Zu diesen zähle ich mich, zu diesen ich euch zähle (so wenig ich über euch als Personen weiß). Wenn ihr schon kritisiert, dann informiert<br>euch doch bitte im Vorhinein so gründlich wie ihr das bei anderen Themen auch tut.</p>



<p>Viele Grüße!</p>



<p>L, taz- und SaZ-Leserin</p>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p>Liebe SaZ-Redaktion,</p>



<p>Die Beilage der taz dieses Jahr war sehr interessant zu lesen. Aber eine Sache hat mich doch sehr gestört, nämlich die Kritik am Degrowth. Ich hatte leider nicht das Gefühl, dass der Ansatz richtig wiedergegeben oder von euch tatsächlich verstanden wurde. Erst wenn man sich einen Ansatz tatsächlich vor Augen geführt hat, sollte man ihn kritisieren (dieser Hinweis darf gerne an eure Kollegen von translib weitergeleitet werden). Natürlich ist es auf einer Seite nur schwer möglich, aber doch trotzdem hat sich bemerkbar gemacht, dass der Ansatz nur oberflächlich verstanden wurde. Leider ist die Kritik dadurch sehr pauschalisierend ausgefallen. Erst einmal empfehle ich zum Verständnis des Ansatzes folgende Literatur:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>„Wohlstand ohne Wachstum&#8220; von Tim Jackson</li><li>„Es reicht! Abrechnung mit dem Wachstumswahn&#8220; von Serge Latouche</li><li>„Befreiung vom Überfluss&#8220; von Niko Paech</li></ul>



<p>Jackson geht eher auf wissenschaftliche und vor allem makroökonomische Grundlagen ein(er ist kein direkter Anhänger der Degrowth-Bewegung). Paech und Latouche beziehen deutlich Stellung und vertreten eine bestimmte, wenn auch wissenschaftlich begründete Position. Paechs letztes Kapitel enthält auch eine vergleichsweise gute Skizze, wie eine Postwachstumsökonomie aussehen könnte. Vor allem dieser orientiert werde ich jetzt mal einige eurer Aussagen korrigieren und ergänzen.</p>



<p>Wachstum sagt sehr wohl etwas über die Hohe von CO²-Werten aus. Paech geht übrigens von einem direkten Zusammenhang zwischen<br>CO²-Ausstoß und Wirtschaftswachstum aus. Kurz: Wachstum und<br>CO²-Ausstoß lassen sich nicht bzw. kaum voneinander entkoppeln.<br>Dafür sprechen auch Statistiken, denn in Wirtschaftskrisen sinkt der<br>CO²-Ausstoß. Auch geplante Obsoleszenz (wie bei den Kopfhörern)<br>soll vermieden werden, in dem Prosumenten (=Konsument, der an der<br>Produktion des Gutes teilhat) wie Unternehmen ihr Verhalten ändern<br>und dies kann z.B. mit Steuern und Gesetzen flankiert werden. Deshalb<br>ist sind Degrowth-Befürworter aber noch keine BIP-Fetischisten, die<br>alles andere ausblenden und es gibt eben auch wissenschaftliche,<br>differenzierte Blickwinkel auf Wachstum. Es werden in diesem Rahmen<br>übrigens auch andere Indikatoren als das BIP vorgeschlagen, in denen Wirtschaftswachstum teilweise gar keine Rolle mehr spielt, wie z.B. das Bruttonationalglück.</p>



<p>„Profit ist okay, Profitgier ist nicht okay!&#8220;…diese plakative Ausformulierung ist schlichtweg falsch. Paechs Ansatz will Profitstreben möglichst vermeiden, soll heißen: Der Tante-Emma-Laden, der sich und seine Mitarbeiter durch den Verkauf selbst finanziert (sozusagen zum „Selbstkostenpreis&#8220; ), ist wünschenswerter als der riesige Supermarkt, der Gewinn machen will. Denn Gewinnstreben ist eine entscheidende Ursache für Wachstum. Also eher: Profit nur, wenn nicht anders möglich (also wenn die Nachfrage nicht ohne Geld befriedigt werden kann, was insbesondere auf reine Importgüter wie Bananen zutreffen dürfte).</p>



<p>Es geht auch nicht einfach nur um Bedürfnisbeschränkung. Es geht erstens darum, Bedürfnisse nachhaltiger zu erfüllen. Das bedeutet, vor allem lokale und regionale Märkte. In dem ich mit dem Fahrrad oder dem ÖPNV einkaufen fahre, statt mit dem Auto. Oder in dem ich regionale Äpfel kaufe, anstatt welche aus Neuseeland. Oder in dem ich nur eine statt drei Bananen pro Woche esse. Deshalb muss ich aber nicht auf das Auto, den Apfel oder die Banane verzichten. Erst recht nicht zwangsweise, durch den Staat verordnet. So etwas wie Fleischverbot der UN will dieser Ansatz gerade vermeiden!</p>



<p>Dazu gehört außerdem auch eine wichtige konsumkritische Komponente: Weniger Konsum macht ab einem bestimmten Level glücklicher als mehr Konsum. Das heißt, freiwilliger Verzicht kann einen Vorteil haben. Es ist logisch, dass die, die weniger haben, auf weniger zu verzichten brauchen. Und es ist eine souveräne Entscheidung, worauf man verzichtet. Heute unterliegt das leider häufig gesellschaftlichen Zwängen (Kinder brauchen für die Schule einen Computer, Hartz-IV-Sanktionen etc.). Außerdem gilt der Grundsatz: Gar kein Konsum ist besser als Fairtrad-Öko-Whatever-Konsum. Beispiel Smartphone: Zunächst sollten möglichst alle bisherigen Handys  möglichst lange genutzt und repariert werden. Sollte das nicht mehr möglich sein, müssen diese recyclet oder upcyclet werden. Erst dann kommen neue Handys ins Spiel, die möglichst langlebig sein sollten und natürlich auch unter fairen sozialen Bedingungen hergestellt werden sollten (letzter Punkt ist nicht direkt Bestandteil des Ansatzes, aber liegt denke ich im Interesse des Gemeinwohls, das der Ansatz stärken will). Diese sollen dann natürlich auch möglichst lange genutzt und repariert werden<br>(modulare Bauweise usw.). Gebrauchtes zu nutzen und möglichst regional und ohne Kostenaufwand reparieren zu lassen hat immer Vorrang vor einem Neukauf, wie öko und fair das Produkt auch sein mag. Oder anders ausgedrückt: Der beste Flug ist der, der nicht stattfindet bzw. stattfinden muss.</p>



<p>Degrowth bezieht sich nur auf Industriegesellschaften, d.h. Deutschland, USA, Frankreich usw. Das heißt, Menschen in Entwicklungsländern sollen nicht den Gürtel gar nicht enger schnallen müssen, sondern ihnen soll eine eigenständige Entwicklung ermöglicht werden, ohne eine komplette Besiedelung mit Starbucks und McDonalds. Dort sind ohnehin Strukturen noch mehr auf Subsistenzwirtschaft ausgerichtet, und genau zu dieser will die Postwachstumsökonomie zurück (wenn auch nicht vollkommen). Deshalb müssen die Bewohner nicht viel ändern, sondern die Industriestaaten: sie sollen schlichtweg nicht Gleichmacherei befördern.</p>



<p>Arbeitszeitverkürzung kann das Wachstum sehr wohl reduzieren. Der Ansatz möchte nicht die Produktivität erhöhen, sondern senken. Es soll weniger produziert werden, deshalb wird weniger Produktivität genötigt. Doch Produktion verbraucht stets Material und Ressourcen. Und „höhere&#8220; Technologien verbrauchen mehr Ressourcen als „niedrigere&#8220;. Deshalb werden „mittlere/konvivale&#8220; Technologien vorgeschlagen, die menschliche Arbeitskraft vermehren und trotzdem noch körperliche Betätigung erfordern. Beispiele dafür sind z.B. das Fahrrad oder mechanische Bohrer. Es wird weniger Arbeitszeit nötig, weil mehr Zeit unter Eigenregie verwendet wird, z.B. durch Hilfeleistungen unter Nachbarn (solche Ideen finden sich z.B. in Repair-Cafes wieder). Und es wird auch mehr Zeit frei dafür, selbst zu kochen, Zeit mit Freunden zu verbringen usw., was die Zufriedenheit erhöhen dürfte. Zentral ist also eine Idee der Souveränität bzw. Autonomie und der Selbstständigkeit. Allein dadurch wird schon Wachstum vermieden, da man weniger von „Fremdwirtschaft&#8220; abhängig ist.</p>



<p>Degrowth ist durchaus kapitalismuskritisch und Paech möchte mit seinem Ansatz den Kapitalismus auch deutlich einschränken. Nur globaler Handel soll weiterhin ähnlich ablaufen und dieser soll auf ein notwendiges Minimumzurückgefahren werden. Ansonsten haben vor allem Subsistenzwirtschaft und Regionalwirtschaft unter Flankierung einer Regionalwährung Vorrang. Dazu gehört im Übrigen auch eine demokratische Beteiligung in den einzelnen Kommunen, Regionen etc. (die auch ohne staatliche Stukturen bestehen könnten) und damit eine Gemeinwohlorientierung, die soziale, ökologische, kulturelle und weitere Faktoren miteinbezieht. Ist das etwa nicht die solidarische Wirtschaftsweise, die auch ihr fordert? Ihr scheint einer sehr einfachen reductio ad absurdum nachzugeben: Alles was kein Kommunismus ist, ist Kapitalismus und damit verwerflich. Doch globaler Handel ist ohne Marktwirtschaft kaum möglich. Deshalb ist nicht gleich das gesamte Wirtschaftssystem kapitalistisch durchzogen. Oder könnt ihr mir erklären, wie sonst die Nachfrage nach Bananen oder deutschen Autos sozial und ökologisch verträglich befriedigt werden soll?</p>



<p>Euer Wachstumsbegriff scheint nicht ökonomischer Natur zu sein. Doch genau darum geht es bei Paech. Mehr Wachstum im Bereich Pflege bedeutet nicht unbedingt, dass dort die Qualität der Pflege und die Zufriedenheit steigt, sondern lediglich, dass mehr Ressourcen eingesetzt werden und Profit abgeschöpft wird. Diese Faktoren sind erst einmal unabhängig vom Wirtschaftswachstum. Doch eine Orientierung daran wirkt sich wohl eher kontraproduktiv auf die Qualität aus. Das kann sich in einer immer feineren Arbeitsteilung, Automatisierung, immer höhere Produktivitätsansprüche, Bürokratisierung und „Managementiisierung&#8220; (so nenn ich das selbst) usw. äußern. Einer Ökonomiisierung entgegenzuwirken, trägt auch zur Wachstumsrücknahme bei. Abgesehen davon, dürfen einige Bereiche durchaus wachsen. Entwicklungsländer dürfen einen gewissen Lebensstandard erreichen. Und auch ein Bereich wie Erneuerbare Energien wird wachsen. Allerdings nur kurzfristig, weil wenig Instandhaltung gerade bei Solarenergie notwendig ist, sagt Paech. Und auch dieser Bereich sollte auf das Nötigste reduziert werden, denn<br>damit sind später auch Entsorgungskosten usw. verbunden. Letztendlich soll gesamtwirtschaftlich kein Wachstum mehr entstehen. Deshalb sollen<br>immer dort, wo Rohstoffe entnommen werden, mindestens im selben Maße Rohstoffe zurück in die Natur gegeben werden, sozusagen ein materielles Nullsummenspiel.</p>



<p>Die Postwachstumsökonomie ist ein Bruch mit dem Kapitalismus. Doch es läuft eher auf das Konzept einer Gemischtwirtschaft hinaus. Man kann Paechs Positionen und Aussagen kritisieren, er kommt schließlich aus der konservativen Ökobewegung. Legt man einmal die ideologische Brille ab, erkennt man jedoch, dass der von ihm vorgestellte Ansatz durchaus pragmatisch verschiedene Elemente von „links&#8220; und rechts&#8220; kombiniert und er sich auch anarchokommunistisch umdeuten lässt. Diese Möglichkeit sollte man nutzen, anstatt sie aufgrund ideologischer Vorbehalte abzulehnen.</p>



<p>Mit freundlichen Grüßen</p>



<p>TS</p>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p>Liebe*r L, liebe*r TS,<br><br>herzlichen Dank für eure Briefe und erst mal Danke für euer Lob. So was freut uns immer. Wir beantworten Eure Briefe zusammen, da sich Eure Punkte durchaus ergänzen und ihr in eine ähnliche Kerbe schlagt. Entschuldigt aber bereits, dass wir nicht auf alle Punkte detailliert eingehen können.</p>



<p>Wir sehen eure Punkte und haben lange darüber diskutiert. Ihr habt Recht, wenn ihr sagt, dass wir Degrowth nicht in aller Breite behandelt haben. Das liegt zum einen am Umfang der Zeitung, an der Zielgruppe (wir sind kein wissenschaftliches Blatt) und zum anderen auch am politischen Ziel. Wir haben uns durchaus über Degrowth informiert und gerade deswegen ist die Stoßrichtung – in euren Worten – gefärbt und einseitig. In unseren Diskussionen ist zutage getreten, dass Postwachstum, trotz all eurer Hinweise, ein Konzept ist, das sich nicht in grundsätzlicher Opposition zur kapitalistischen Ausbeutung versteht, sondern damit verbunden werden kann. Klar, keine Frage, sicherlich wäre eine kapitalistische Postwachstumsgesellschaft besser, nachhaltiger, you name it, als eine kapitalistische Wachstumsgesellschaft. Sicherlich ist Arbeitszeitverkürzung eine gute Sache und Fahrräder reparieren machen wir auch dauernd. Mehr (und besser bezahlte) Pflegekräfte finden wir auch richtig, klaro. Was durch all das aber nicht grundsätzlich hinterfragt wird, ist das kapitalistische Prinzip der Aneignung von Mehrarbeit – Ausbeutung &#8211; oder die kapitalistische Konkurrenz. Da wir die, das sollte aus all unseren Texten deutlich geworden sein, grundsätzlich ablehnen, schlagen wir gegen Regionalwährungen, lokale Kooperationen und Degrowth etwas anderes vor: Kommunismus. Nicht weil wir das Wort so geil finden oder weil wir nicht den Horror in der Sowjetunion kennen würden, sondern weil wir damit die grundlegende Opposition zum Kapitalismus meinen. Das unversöhnliche und revolutionäre Andere. Wir wollen nicht wie die Postwachstumsökonomen zurück zur Subsistenz, sondern vorwärts in die befreite Gesellschaft. Dafür muss man aber erstmal diese Gesellschaft einer grundlegenden Kritik unterziehen, Theorie treiben etc.</p>



<p>Als Leseempfehlung für Euch, weil der Name immer wieder auftaucht. Hier eine Kritik (von links) an Nico Peach, der wir uns anschließen würden: <a rel="noreferrer noopener" target="_blank" href="http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2013/10/wachstum_naber.pdf">http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2013/10/wachstum_naber.pdf</a></p>



<p>Viele liebe Grüße</p>



<p>Straßen aus Zucker</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Brief an uns: »Mir ist bewusst, dass mensch immer eine Alternative hat. Aber die Angst am Ende allein dazustehen war größer.«</title>
		<link>https://www.strassenauszucker.tk/2014/12/mir-ist-bewusst-dass-mensch-immer-eine-alternative-hat-aber-die-angst-am-ende-allein-dazustehen-war-groesser/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[strassenauszucker]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Dec 2014 15:58:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe an uns]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://strassenauszucker.blogsport.de/2015/11/22/mir-ist-bewusst-dass-mensch-immer-eine-alternative-hat-aber-die-angst-am-ende-allein-dazustehen-war-groesser/</guid>

					<description><![CDATA[Hallo SaZ Team, Mir hat die 10 Ausgabe sehr gut gefallen. Ich gehe selber noch zur Schule und besuche derzeit die 12. Klasse. Für mich war von Anfang an klar, dass ich Abitur mache obwohl meine Eltern die mittlere Reife haben. Naja, in den letzten Jahren hab ich angefangen mich mit dem Thema Kapitalismus etc. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo SaZ Team,</p>
<p>Mir hat die 10 Ausgabe sehr gut gefallen. Ich gehe selber noch zur<br />
Schule und besuche derzeit die 12. Klasse.<br />
Für mich war von Anfang an klar, dass ich Abitur mache obwohl meine<br />
Eltern die mittlere Reife haben. Naja, in den letzten Jahren hab ich<br />
angefangen mich mit dem Thema Kapitalismus etc. zu beschäftigen und habe<br />
angefangen Schule im Allgemeinen zu hinterfragen. Ich habe mir so oft<br />
gedacht, du könntest dein Pflichtjahre machen und einfach aufhören.<br />
Dann kannst du das machen was du wirklich willst, das lernen was du<br />
wirklich willst. Aber letztendlich ist das alles dann doch nicht so<br />
einfach wie in der Vorstellung. <span id="more-351"></span> Ich meine letztendlich bin ich doch auf<br />
dem Weg zum Abi. Ich lerne für Fächer die ich unnütz finde und<br />
beschäftige mich mit Themen die mich langweilen. Und Sprachen wie<br />
Französisch, welche ich generell gerne sprechen würde, sind als<br />
Unterrichtsfach zum kotzen. Es wird erwartet, alles innerhalb einer<br />
bestimmten Zeit zu lernen und wenn du nicht in der Lage bist, bist du dumm<br />
oder faul oder beides.<br />
Ich muss zugeben, dass ich mich nicht in ganzen Maße antikapitalistisch<br />
in der Schule benehme. Zum einen mach ich Abi obwohl mich die meisten<br />
Fächer nicht interessieren, zum anderen lass ich nicht jede_n bei mir<br />
abschreiben. Durch die 10 Ausgabe SaZ ist mir erst bewusst geworden, wie<br />
eingeschränkt mein Denken war. Ich habe Menschen nicht bei mir<br />
abschreiben lassen, nicht weil ich wollte, dass sie das alles selber<br />
lernen müssen und ich ihnen damit keinen gefallen tue, sondern aus<br />
egozentrischen, kapitalistischen Wettbewerbseifer.<br />
In einen Jahr werde ich mein Abi machen, nicht weil ich nich für den<br />
Unterricht interessiere oder die Prüfung so spaßig finde sonder, weil ich<br />
unsicher bin. Ich würde gerne auf eine selbstorganisierte Art lernen und<br />
in gewisser weise tu ich dies ja auch, z.B. durch Zeitungen wie SaZ.<br />
Aber um zu studieren, was ich gerne tun würde, nicht für andere sondern<br />
für mich, muss ich ein Abi haben. Am besten noch ein gutes um überhaupt<br />
an Unis angenommen zu werden.<br />
Ich weiß nicht ob das was ich hier alles schreibe Sinn ergibt, aber das<br />
geht mir so im Kopf herum.<br />
Ich möchte so gerne diesen Kapitalistischen Strukturen in der Schule<br />
etc. aber ich bin mir nicht sicher wie. Immer wenn ich überlegt habe<br />
bzw. mich sogar entschlossen habe auf diese Art der Bildung zu scheißen<br />
kommen Lehrer_innen, Mitschüler_innen etc. zu mir und reden mir ein ich<br />
hätte keine Alternative. Mir ist bewusst, dass mensch immer eine<br />
Alternative hat. Aber die Angst am Ende allein dazustehen war größer.</p>
<p>Ich würde mich auf eine Antwort freuen, war ihr dazu denkt.<br />
Aller liebst Grüße! Eure Zeitung ist absolut super!!</p>
<p><em>Hey L.,</p>
<p>erst einmal freuen wir uns natürlich, dass Dir die SAZ gefällt!</p>
<p>Was Du beschreibst klingt für viele von uns sehr vertraut – „immer diese<br />
Widersprüche“ würden &#8218;Die goldenen Zitronen&#8216; singen – der Schulbesuch<br />
und der sogenannte &#8218;höhere&#8216; Abschluss gibt ein Versprechen auf mehr<br />
Möglichkeiten im Leben und so ganz von der Hand zu weisen ist diese<br />
Behauptung ja leider auch nicht. Auf der anderen Seite verschwendet man<br />
seine Zeit mit Scheiß der einen nicht interessiert oder sitzt seine Zeit<br />
einfach ab, ohne dass man eine Garantie hat, dass man am Ende zurecht<br />
kommt in der Welt mit diesem Schulabschluss. Sich zwischen diesen<br />
Widersprüchen zu bewegen ist nicht leicht, allzumal wenn alle um einen<br />
herum diese Widersprüche gar nicht zur Kenntnis nehmen und einen immer<br />
nur dazu anhalten im System drin zu bleiben.<br />
Dass Du &#8218;zugibst, dich nicht immer antikapitalistisch zu benehmen in der<br />
Schule&#8216; hat uns aber schmunzeln lassen, denn zeig uns die Person die<br />
konsequent antikapitalisch ist. <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f642.png" alt="🙂" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Das geht unserer Meinung nicht, denn<br />
Du hängst schon irgendwie mit drin, das ist bei uns nicht anders.<br />
Trotzdem finden wir es cool und wichtig sich genau diesen Fragen zu<br />
stellen. Welche Rolle hab ich? Wo werde ich vielleicht bevorzugt wo<br />
andere benachteiligt werden und wie kann ich der ganzen Systemscheiße<br />
eins auswischen? Manchmal ist das eben, indem man sich Hausaufgaben<br />
teilt und wen abschreiben lässt oder indem man versucht sich dem<br />
Wettbewerb zu entziehen. Dass das nicht immer leicht ist, ist klar!<br />
Sich Möglichkeiten selber zu lernen zu suchen ist auf jeden Fall ne gute<br />
Idee – zum Beispiel als Lesekreis mit anderen oder in irgendwelchen<br />
Politgruppen. Jetzt wissen wir natürlich nicht in welcher Stadt oder<br />
welchem Dorf du festsitzt, aber manchmal lassen sich Gleichgesinnte<br />
finden mit denen sich das alles besser aushalten lässt!<br />
Auch das Argument der Alternativlosigkeit ist ein altbekanntes und<br />
besonders gemeines. Weil irgendwie fühlt es sich oft genau so an –<br />
alternativlos. Aber das steckt auch tief drin in unserem System und der<br />
Erzählung davon. Dass die Situation besser ist als jemals zuvor und dass<br />
es keine anderen Lösungen für Probleme gibt oder das Probleme eben<br />
natürlich und einfach so da sind und man nichts dagegen machen kann,<br />
usw. Wir sagen: Is Quatsch und Her mit dem schönen Leben! Wir sind nicht<br />
einverstanden mit den Zuständen, sei es in der Schule, bei der Arbeit<br />
oder in der Politik!<br />
Wir sind aber auch noch nicht am Ende unserer Überlegungen wie man das<br />
schöne Leben bekommen kann und findens super, dass Du Dir auch Gedanken<br />
machst. Durchhalte-Parolen wird’s von uns nicht geben, aber natürlich<br />
wünschen wir Dir trotzdem, dass Du die Schule noch überstehst.<br />
An dieser Stelle gibt’s dafür erstmal solidarische Grüße von uns, dem<br />
Straßen aus Zucker-Team!</em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Brief an uns: »Gemachte Geschlechter« und Anglizismen</title>
		<link>https://www.strassenauszucker.tk/2013/01/gemachte-geschlechter-und-anglizismen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[strassenauszucker]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Jan 2013 15:58:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe an uns]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://strassenauszucker.blogsport.de/2013/02/18/gemachte-geschlechter-und-anglizismen/</guid>

					<description><![CDATA[Liebe Leute, ich habe Eure kleine Zeitung zum ersten Mal gelesen &#8211; als Beilage in der taz und in der Jungle World. Wirklich nett und hübsch gemacht. Vor allem finde ich toll, dass Ihr sie auch auf anderen Sprachen &#8211; etwa auf Türkisch &#8211; verteilt oder verteilen wollt. Inhaltlich geht es mir ein Stückchen zu [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leute,</p>
<p>ich habe Eure kleine Zeitung zum ersten Mal gelesen &#8211; als Beilage in der<br />
taz und in der Jungle World.</p>
<p>Wirklich nett und hübsch gemacht. Vor allem finde ich toll, dass Ihr sie<br />
auch auf anderen Sprachen &#8211; etwa auf Türkisch &#8211; verteilt oder verteilen<br />
wollt.</p>
<p>Inhaltlich geht es mir ein Stückchen zu weit. Ich glaube, 99 Prozent der<br />
Leser und Leserinnen stellen nicht in Frage, ob sie sich als Mann oder<br />
Frau fühlen oder ob ihr Geschlecht &#8222;gemacht&#8220; sei. Sie wollen,<br />
hoffentlich, einfach nur lieben, wen sie wollen &#8211; und sie sollten<br />
einfach tolerant sein gegenüber anderen Menschen, mit welchen sexuellen<br />
Präferenzen auch immer.</p>
<p><span id="more-252"></span></p>
<p>Im Klartext: Ich weiß nicht, ob Ihr einem türkischen Gangmitglied oder<br />
einem ostdeutschen Landmädel mit &#8222;gemachtem Geschlecht&#8220; kommen könnt.<br />
Mir würde schon reichen, wenn die weniger schwulenfeindlich wären.</p>
<p>Zum Schluss: Etwas anstrengend fand ich auch Eure vielen unnützen<br />
Anglizismen, die in der Zeitung verstreut sind. Wie gesagt, es ist toll,<br />
wenn Ihr die Zeitung übersetzt, aber es ist schöner, wenn man jeweils<br />
bei einer Sprache bleibt &#8211; und so die sprachliche Vielfalt der Menschen<br />
erhält. Ihr seid doch für Diversity, oder <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f609.png" alt="😉" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> ?</p>
<p>Viel Erfolg und beste Grüße, R</p>
<p><em>Hallo R., </em></p>
<p>danke für Dein Feedback und Dein Lob. Zu Deiner Kritik: Wir glauben auch nicht, dass sich 99% der Menschen Gedanken darüber machen, ob sie nun &#8222;gemachte&#8220; Männer oder Frauen sind, sondern das erstmal ganz &#8222;natürlich&#8220; finden. Genauso denken auch die meisten Menschen, dass Nationalstaaten &#8222;natürliche&#8220; Einrichtungen sind, Menschen von sich aus auf Konkurrenz getrimmt sind, oder dass es sowas wie &#8222;Rassen&#8220; gibt. Falsch finden wir das alles, und kritisieren all diese Einstellungen deswegen auch &#8211; auch wenn &#8222;die Massen&#8220; unsere Meinung leider (noch) nicht teilen <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f609.png" alt="😉" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /><br />
Und als Kurzziel finden wir es auch super, wenn Leute erstmal weniger homophob sind. Aber auch Homophobie lässt sich ja nicht trennen von krassen Männlichkeitsvorstellungen (Männer, die sich von anderen Männern penetrieren lassen, sind keine &#8222;richtigen&#8220; Männer), oder normierten Ideen davon, wen denn nun &#8222;Frauen&#8220; oder &#8222;Männer&#8220; so lieben sollen. Das heisst: Diese Themen, und somit auch die Erkenntnis, dass Geschlecht nichts &#8222;Natürliches&#8220; ist, sollten also auch angesprochen werden. Der Kampf gegen Homophobie im Alltag wird unseres Erachtens dadurch nicht geschwächt.</p>
<p>Dann: Was stört Dich denn konkret an den Anglizismen? Wir finden es auch nervig, wenn durch unnötige Anglizismen &#8211; z.B. in der Werbung &#8211; so eine Pseudo-Hipness vermittelt werden soll, und/oder Leute ausgeschlossen werden, die kein Englisch können. Wir finden Englisch manchmal aber eine nette Sprache, und denken, dass unsere Zielgruppe (v.a. Schüler_innen/Student_innen) alle mehr oder weniger Englisch sprechen können. Und bedeutet &#8222;Diversity&#8220; dann nicht eben auch, mit Sprache(n) zu spielen, statt in so einer Sprach-Deutschtümelei zu verfallen?</p>
<p>Beste Grüße<br />
Leia<br />
für die SaZ</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Brief an uns: Rassismus</title>
		<link>https://www.strassenauszucker.tk/2012/04/rassismus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[strassenauszucker]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Apr 2012 08:58:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe an uns]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://strassenauszucker.blogsport.de/2013/01/07/rassismus/</guid>

					<description><![CDATA[Liebe Straßen aus Zucker, vor ein paar Wochen bin ich das erste Mal auf die Zeitung gestoßen und hab sie mit großer Begeisterung gelesen. Viele Fragen, die mir schon lange im Kopf rumspukten wurden geklärt und noch viel mehr aufgeworfen 😛 Echt ein toller Denkanstoß! Ein Punkt hat mir allerdings sehr Kopfzerbrechen bereitet und ich [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Straßen aus Zucker,</p>
<p>vor ein paar Wochen bin ich das erste Mal auf die Zeitung gestoßen und hab sie mit großer Begeisterung gelesen. Viele Fragen, die mir schon lange im Kopf rumspukten wurden geklärt und noch viel mehr aufgeworfen <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f61b.png" alt="😛" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Echt ein toller Denkanstoß!</p>
<p>Ein Punkt hat mir allerdings sehr Kopfzerbrechen bereitet und ich wollte mal wissen, was ihr dazu meint. Ich beziehe mich auf folgende Stelle (Die Revolution im Reformhaus, Seite 6 und 7, Ausgabe 7):</p>
<p>&#8222;Mehr konkrete Handlungsmöglichkeiten gibt es aber zum Beispiel bei Rassismus: Wenn ich im Supermarkt sehe, wie ein „weißer“ Opa rassistisch über den „schwarzen“ Mensch in der Warteschlange herzieht, macht es Sinn dazwischen zugehen: Um Nazi-Opa Grenzen aufzuzeigen, dem Menschen, der da gerade Rassismus erfährt, Unterstützung anzubieten und in der Öffentlichkeit zu zeigen, dass Rassismus nicht toleriert wird.&#8220;</p>
<p><span id="more-231"></span></p>
<p>Dazu folgende Vorgeschichte: Zur Vorbereitung für einen Freiwilligendienst im Ausland, habe ich ein Seminar besucht, in dem es viel um das Thema Rassismus und vor allem strukturelle Rassismus in der Entwicklungszusammenarbeit ging. Grob zusammengefasst wurde versucht zu vermitteln, dass selbst wenn die Absicht hinter einer Handlung antirassistisch und gut gemeint ist, kann die Handlung selbst rassistische Strukturen fördern. So impliziert zum Beispiel die Zahlung von Entwicklungshilfe, dass die &#8222;Weißen&#8220; den &#8222;Schwarzen&#8220; überlegen sind, weil sie über die Umverteilung des Geldes bestimmen können. Außerdem arbeiten zahlreiche Hilfsorganisationen mit stereotypischer Werbung, die die Bevölkerung des globalen Südens als schwach, arm, dreckig oder handlungsunfähig darstellt. Das Ziel dieser Aktionen mag lobenswert sein, nämlich einen Verminderung der aus dem Kolonialismus resultierenden Armut, aber dennoch passieren solche Handlungen nicht auf Augenhöhe, sondern von oben nach unten und unterstützen somit rassistische Strukturen.</p>
<p>Es hat einige Zeit gedauert bis ich dieses Konzept durchdacht hatte und nach einer Weile stellte ich mir dann die Frage, was das Ganze für Konsequenzen für mein Handeln hat. Wenn ich zum Beispiel in eine wie im Artikel beschriebene Situation komme und mich für den &#8222;schwarzen&#8220; Menschen einsetze, erkläre ich ihn dann damit nicht gleichzeitig als unmündig und stelle mich selbst als den Retter dar? Also schaffe quasi eine Situation in der (wieder mal) der &#8222;Weiße&#8220; den &#8222;Schwarzen&#8220; beschützen muss, weil er selbst nicht in der Lage ist? Und ist das nicht genauso rassistisch? Allerdings wäre die Alternative dann nicht einzugreifen und tatenlos zuzusehen wie vor meinen Augen Rassismus gelebt wird. Eine furchtbare Vorstellung.</p>
<p>Ich hoffe ich konnte meinen Konflikt einigermaßen verständlich darstellen und bin jetzt sehr gespannt, was ihr zu diesem Thema zu sagen habt.</p>
<p>Interessante Lektüre zu dem Thema &#8222;Struktureller Rassismus&#8220; ist die Zeitschrift &#8222;Von Trommlern und Helfern &#8211; Beiträge zu einer nicht-rassistischen entwicklungspolitischen Bildungs- und Projektarbeit&#8220;. Dort wird die Problematik, die ich hier in ein paar Sätzen versucht habe zusammenzufassen, nochmal genauer beschrieben.</p>
<p>Ich freue mich auf eure Antwort.</p>
<p>Liebe Grüße!</p>
<p>A. (&#8222;weiß&#8220;)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Hallo A.,</p>
<p>merci für Deine Mail und das Lob. Die Ausgaben schicken wir Dir auch gerne bald zu.</p>
<p>Den von Dir beschriebenen Konflikt kann ich gut nachvollziehen, und die Broschüre &#8222;Von Trommlern und Helfern&#8220; hatte ich auch schon mal in der Hand und fand sie ganz gut.<br />
Was Du beschreibst, ist glaube ich von seiner Grundstruktur nicht so leicht aufzulösen, sondern stellt tatsächlich ein Dilemma dar, aus dem man nicht einfach rauskommt: Der kapitalistische Weltmarkt ist aufgrund des Kolonialismus und seiner Nachwirkungen nun mal so strukturiert ist, dass es &#8222;arme&#8220; und &#8222;reiche&#8220; Staaten gibt und gegenwärtige Handelsbeziehungen und die sie begleitenden Institutionen wie IMF, Weltbank, WTO etc. diese Strukturen auch festigen. Das ist erstmal der Rahmen, in dem wir uns als Individuen bewegen, und den wir auch nicht einfach durch individuelles Handeln ändern können. Somit ist Entwicklungshilfe eben immer ein &#8222;Geben&#8220; von den Staaten, die es sich leisten können, und die damit auch bestimmte Zwecke verfolgen &#8211; sicherlich tw. auch humanitäre, aber diese doch auch immer gebunden an das Festigen von regionaler Einflussnahme, dem Aufbau von Absatzmärkten für Produkte und Infrastruktur. Für diese Entwicklungshilfe bzw. -&#8222;zusammenarbeit&#8220; braucht es Leute, die das ausführen: professionals, und viele weiße Freiwillige, oft Jugendliche. Dass das konkret Leuten vor Ort helfen kann &#8211; ein Brunnen im Dorf, ein Kinderheim, ein Sammeltaxi etc. &#8211; ist unbenommen. Und dass jenseits von dieser individuellen Ebene es eben nicht nur um den Brunnen im Dorf geht, sondern um die Durchsetzungsmacht von westlichen Staaten ist eben ein bescheuertes Dilemma, was sich in der gegenwärtigen Weltordnung nicht auflösen lässt! Indirekt werden damit auch rassistische Strukturen gestützt, aber um das zu ändern, braucht es eine grundlegende Änderung der Strukturen.</p>
<p>Auf die konkrete Situation bezogen lässt sich vielleicht etwas mehr machen: Ich war auch in so ein paar kritischen Rassismus-Trainings, und die schwarzen ReferentInnen haben das Problem des Paternalismus in dieser Art von Situation auch angesprochen: Anstelle FÜR jemanden zu sprechen (&#8222;Mach doch den armen Jungen nicht an!&#8220;) wurde dann immer betont, dass es 1. gut sei von sich auszugehen, also deutlich zu machen, dass MAN SELBER keinen Bock hat, rassistische Äußerungen zu hören, in einer rassistischen Welt zu leben, etc. und 2. die von Rassismus Betroffenen zu fragen, ob und wie sie gerade Unterstützung brauchen. Manchmal wollen Leute ja vielleicht auch eher ihre Ruhe und keine Konfrontation in jeder möglichen Situation.<br />
Also, ich bin eine (weiße) Frau und übertrage das manchmal auf den Umgang mit Sexismus (obwohl das sicherlich auch noch etwas anders ist, aber so als Gedankenspiel): Wenn mich jemand auf der Straße sexistisch anmacht und ich mit einem Freund unterwegs bin, dann fände ich es paternalistisch, wenn dieser sofort eingreift. Ich finde es aber nett, wenn er mich fragt ob ich gerade Unterstützung brauche. Und wenn diese kommt, dann fände ich es schräg, wenn es sowas wäre wie &#8222;Mach meine Freundin nicht an&#8220;, aber gut, wenn er klar macht, dass er Mackerverhalten und Sexismus SELBER scheiße findet.<br />
Zurück zur Supermarktkasse: Ich würde in so einer fiktiven Situation vermutlich den Naziopa irgendwie anraunzen à la &#8222;Ich habe echt keinen Bock auf deine rassistischen Sprüche&#8220; und irgendwie dann nochmal, vielleicht am Ausgang oder so, die betroffene Person fragen ob sie okay ist oder irgendwas braucht. Oder umgekehrt. Aber in so einer Situation nicht einzugreifen würde für mich eine Art von Komplizenschaft und Zustimmung bedeuten.</p>
<p>Tja. Schreib gerne nochmal zurück, oder auch sonst einfach nur liebe Grüße</p>
<p>Padme<br />
für die SaZ<br />
P.S. Ach, und dürfen wir diesen Mailwechsel anonymisiert auf die &#8222;LeserInnenbrief&#8220;-Rubrik auf der Website stellen? Deine Fragen interessieren sicherlich auch noch andere Leute&#8230;</p>
<p>Liebe Padme,</p>
<p>vielen, vielen Dank für die Antwort. Hat mir echt sehr weitergeholfen. Und ich hab natürlich nichts dagegen, wenn ihr das Ganze veröffentlicht. Ich würde mich sogar sehr freuen, weil ich auch einige Leute kenne, die sich für den Konflikt interessieren und die mich schon gebeten haben, die Antwort weiterzuleiten. Also nur zu!<br />
Viel Erfolg noch bei eurem Projekt und bis zur nächsten Frage,</p>
<p>lg A.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Brief an uns: Occupy Wall Street</title>
		<link>https://www.strassenauszucker.tk/2012/04/occupy-wall-street/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[strassenauszucker]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Apr 2012 08:58:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe an uns]]></category>
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					<description><![CDATA[Guten Tag, ich finde euren Gedankenansatz in SAZ #7 recht ambivalent, gar schon widersprüchlich, wenn man derart über die Occupy-Bewegung berichtet und auf der anderen Seite eine non-reformerische Umwälzung, sprich Revolution, fordert. Sind es doch bei Occupy vor allem die 1 Prozent, die angeprangert werden (vielleicht auch einfach nur Sozialneid, vllt. auch ohne bzw. sehr [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Guten Tag,</p>
<p>ich finde euren Gedankenansatz in SAZ #7 recht ambivalent, gar schon widersprüchlich, wenn man derart über die Occupy-Bewegung berichtet und auf der anderen Seite eine non-reformerische Umwälzung, sprich Revolution, fordert.<br />
Sind es doch bei Occupy vor allem die 1 Prozent, die angeprangert werden (vielleicht auch einfach nur Sozialneid, vllt. auch ohne bzw. sehr begrenzter Kapitalismuskritik?); verschwörungstheoretische Ansätze sind bzw. waren ein Bestandteil dieser Bewegung.<br />
Doch ist es nicht, wie ihr es ja auch sonst verlautbaren lasst, das kapitalistische System, welches die Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft entstehen lässt? Die kapitalistischen Verhältnisse müssen also überwunden werden, anstatt immer nur „von denen da oben“ zu sprechen. Doch die Occupy-Bewegung beschränkt ihr ganzes Dasein vor allem auf letzteres.<br />
Zwar wurde über die Occupy-Bewegung auch kritisch berichtet, doch eine klare Abgrenzung hat mir gefehlt: Und diese fehlte mir noch nicht einmal in dem eigentlichen Artikel (S.10-11), sondern in dem Interview mit Tom Morello. Hier wurde für meinen Geschmack die Occupy-Bewegung kritiklos stehen gelassen. Natürlich wurde auch hier etwas relativiert, aber wie gesagt, die Abgrenzung (vor allem in dem Interview) hätte nicht nur deutlicher ausfallen können, sondern müssen.<br />
Preisfrage: Warum dieses Interview ? …passt gar nicht in „Straßen aus Zucker“</p>
<p>Liebe Grüße, G.</p>
<p><span id="more-228"></span><em><br />
Halli-hallo G,</em></p>
<p>erstmal herzlichen Dank für deine Mail. Sorry für die verspätete Antwort, hatten viel zu tun mit Verteilen und so, und dann muss natürlich immer alles mit allen im Plenum abgesprochen werden.</p>
<p>Viele Deiner Kritikpunkte an der Occupy-Bewegung teilen wir: Ja, da gibt es eklige Verschwörungstheoretiker_innen, da findet sich eine falsche (&#8222;verkürzte&#8220;) Kapitalismuskritik, und eine personalisierte Hetze gegen &#8222;die da oben ist sicherlich auch nicht unser Ding. Deswegen haben wir einen kritischen Blick auf &#8222;Occupy&#8220;. Und dennoch denken wir, dass man diese weltweite Bewegung nicht über einen Kamm scheren kann, denn gerade in den USA hat Occupy Diskussionen in Gang getreten, die es so vorher nicht gab: Das erste Mal seit vielen Jahren gibt es wieder eine außerparlamentarische Bewegung, die klar links dominiert ist. Die grundlegende Kritik der ökonomischen Verhältnisse steht endlich mal wieder auf der Tagesordnung &#8211; häufig verkürzt, ressentimentgeladen, falsch. Aber doch eröffnet sich auch für radikalere Kritiker_innen dadurch eine Möglichkeit, und seit Ewigkeiten kann mal wieder über &#8222;Kapitalismus&#8220; gesprochen werden, und das wird es auch.</p>
<p>Und neben vielen reformerischen Forderungen gibt es eben auch einen Teil der Bewegung, der sehr klar hat, dass es eine Revolution brauchen wird, um den Kapitalismus abzuschaffen. So wie bei den gegenwärtigen &#8222;Bloccupy&#8220;-Mobilisierungen neben vielen komischen Gruppen ja auch das<br />
kommunistische &#8222;UmsGanze&#8220;-Bündnis dabei war. Und so sehen wir bei aller Kritik inhaltliche Anknüpfungspunkte und finden Occupy &#8211; zumindest in den USA &#8211; nicht uninteressant; und wollten mit Tom Morello u.a. darüber sprechen. Wie Du siehst, stellen wir ihm ja auch einige kritische<br />
Nachfragen.</p>
<p>In der Hoffnung, dass das Deine Verwunderung etwas klären konnte und mit<br />
herzlichen Grüßen</p>
<p>die SaZ-Crew</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Brief an uns: Ökologie und Technik</title>
		<link>https://www.strassenauszucker.tk/2012/04/oekologie-und-technik-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[strassenauszucker]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Apr 2012 08:58:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Briefe an uns]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://strassenauszucker.blogsport.de/2013/01/07/oekologie-und-technik-2/</guid>

					<description><![CDATA[hey and hello, zuckerstrasse! habe eure (&#8222;unsere&#8220;) zeitschrift, nr.7, zum ersten mal gelesen &#38; finde die ansätze und grundidee sehr ansprechend &#38; überzeugend &#8211; was die überwindung des kapital-ist-mus betrifft. gerne würde ich, soweit vorhanden, vorherige ausgaben lesen und &#8211; wenn gewünscht &#8211; einige examplare hier bei uns in der region in entsprechenden &#8222;locations&#8220; auslegen. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>hey and hello, zuckerstrasse!</p>
<p>habe eure (&#8222;unsere&#8220;) zeitschrift, nr.7, zum ersten mal gelesen &amp; finde die ansätze und grundidee sehr ansprechend &amp; überzeugend &#8211; was die überwindung des kapital-ist-mus betrifft. gerne würde ich, soweit vorhanden, vorherige ausgaben lesen und &#8211; wenn gewünscht &#8211; einige examplare hier bei uns in der region in entsprechenden &#8222;locations&#8220; auslegen. vielleicht bewegt es was. da ich nicht weiß, welche bücher ihr bisher bereits empfohlen habt, weise ich ausdrücklich auf &#8222;das öko-manifest&#8220; von derrick jensen hin. das geht voll in diese richtung. keine panik, es geht darin nicht um grüne umweltpolitik oder wie man sein garten am grünsten beackert, sondern genau um dieses thema &#8211; wenn nicht sogar darüber hinaus. er will gleich die industrielle zivilisation überwunden sehen &#8211; bis in die letzte konsequenz. sehr einfach und anschaulich beschrieben. es hat mich sehr beeindruckt und nachhall-tig beeinflusst. noch nie habe ich solch radikale (im sinne von konsequent und kompromislos) these gelesen und ich &#8222;bewundere&#8220; den mut des mannes seine vorstellungen so klar und deutlich zu formulieren. man wundert sich, dass diese buch in der brd nicht verboten ist, denn es verlangt die überwindung der kompletten machtstrukturen und die ebenso konsequente zurückdrängung (bis zum nullpunkt) jegliches großkapitals, da diese &#8222;institutionen&#8220; an der unaufhaltsamen vernichtung und zerstörung der erde arbeiten. rein aus machterhalt und gewinnstreben. wenn man sich die entwicklung auf der erde insgesamt betrachtet, was alles schon zerstört wurde und was demnächst weiterhin zerstört werden soll/muss, um deren machtgefüge zu erhalten, kann es sein, dass der mann sowas von recht hat, dass seine gedanken, argumente und überlegungen neue dimensionen an notwendigkeiten erfordern. gerne würde ich mehr erfahren über eure arbeit und vernetzungsmöglichkeiten. bin gerade etwas in eile, wollte aber mein kompliment für strassen aus zucker noch schnell loswerden.<br />
in diesem sinne sinnigst und sonnigst&#8230;. krautskitsch</p>
<p><span id="more-230"></span></p>
<p><em>Hallo Krautskitsch,</em></p>
<p>erstmal herzlichen Dank für deine Mail, das Lob und den Buchtipp. Einige von uns, ich zum Beispiel, kennen Derrick Jensen sogar. Ehrlich gesagt: Ich fand den vor einer Weile mal<br />
total super, und habe zunehmend ein Unwohlsein. Ich nämlich den Eindruck, dass er das Problem vor allem in der &#8222;Zivilisation&#8220; oder der &#8222;Technologie&#8220; sieht, als wären das irgendwelche Kräfte, die einfach so existieren würden. Dabei erscheint es mir, dass er im Gegensatz dazu indigene Gesellschaften irgendwie glorifiziert, als würde da alles voll intakt und toll sein.<br />
Mein Problem ist aber gar nicht mit Technologie &#8211; ich finde das Internet und Handys und moderne Medizin sehr praktisch. Jensen sagt, dass wir das alles aufgeben müssten, um die Umwelt nicht zu zerstören (so etwas indirekt in diesem Interview: http://truth-out.org/index.php?option=com_k2&amp;view=item&amp;id=2102:you-cant-kill-a-planet-and-live-on-it-too).<br />
Aber der Grund, warum Technologie dazu führt, dass die natürliche Umwelt in den Arsch geht, liegt ja nicht an der Technologie an sich, sondern darin, dass diese in ein Wirtschaftssystem – dem Kapitalismus eben &#8211; eingebettet ist, bei dem es darum geht, Profit zu machen. Das führt dazu, dass Umweltschutz für das Unternehmen nur (falsche) Kosten darstellen, d.h. ein Unternehmen darf – bei Strafe seines Untergangs – gar nicht besonders darauf achten, dass die Umwelt nicht geschädigt wird (mittlerweile legen sich Unternehmen ein grünes Mäntelchen um, aber das ist eben dann Teil der Bewerbungsstrategie). Und da spielt eben nicht nur das &#8222;Großkapital&#8220; eine Rolle, sondern ganz grundlegend die Logik, dass es darum geht, Mehrwert zu produzieren. Das &#8222;Gewinnstreben&#8220; ist also eins, was nicht mit bösen Absichten zu tun hat, sondern ein notwendiges ist: Ein Unternehmen muss in der Konkurrenz eben mitmachen, oder es geht unter.<br />
Wenn wir von der SaZ von &#8222;Kommunismus&#8220; reden, dann haben wir dabei auf jeden Fall eine Gesellschaft vor Augen, in der es weiter Elektrizität, und das Internet, und viel Technik in der Herstellung von Gütern gibt – damit mehr Zeit bleibt, schöne Dinge wie Kunst zu machen, zu spielen, sich mit Freund_innen zu treffen, am Strand rumzuhängen etc. Und dass dann so produziert wird, dass nicht der Profit im Blick steht, sondern erstmal auch die Frage, ob das Produkt &#8222;nachhaltig&#8220; ist, d.h. keinen Menschen, Tiere und der Umwelt schadet, ist auch klar. Und eben WEIL unser Ziel die Befriedigung der Bedürfnisse von Menschen ist, wollen wir uns das Leben auch einfacher machen. Soviel Arbeit wie man ohne Elektrizität hätte, wär echt nichts für mich. Bei Jensen habe ich das Gefühl, seine Vision einer anderen Welt ist eher eine in der Vergangenheit orientierte. Damit will ich ihn gar nicht ganz abtun &#8211; ich finde, der sagt auch viele<br />
schlaue Sachen, und ist sensibel gegenüber Sexismus und Rassismus. Nur, wie gesagt, seine Analyse warum der Zustand der Welt so scheiße ist, da fehlt mir einiges.</p>
<p>Aber vielleicht kenne ich auch manche Seiten von ihm noch nicht, und gerne kannst Du mir/uns natürlich zurückschreiben <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f642.png" alt="🙂" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /></p>
<p>Soweit erstmal,<br />
herzlichste Grüße<br />
Padme für die SaZ</p>
<p>Hallo Krautskitsch</p>
<p>ich bin ebenfalls Teil des SaZ-Plenums und finde Padmes Antwort nicht falsch, würde aber eine weniger fortschrittsoptimistische Position vertreten:</p>
<p>Erstens denke ich, dass Technik immer auch das Potential der Zerstörung/Vernichtung eingeschrieben ist (sie also nicht erst mal nur &#8222;praktisch&#8220; ist, sondern auch gefährlich, siehe z.B. den kommunistischen Atomkrafteuphemismus der 1950er Jahre. Dass da mit wenig Arbeit viel<br />
Strom herauskommen könnte und das erst einmal sehr sehr praktisch klingt, liegt ja auf der Hand). Oder eben Gentechnik, die sich ja auch erst einmal verlockend und menschenfreundlich anhört. Das da aktuell Profitinteressen bei der Umsetzung maßgeblich sind ist klar, aber ich kann mir vorstellen, dass es auch im Kommunismus Befürworter_innen und Kritiker_innen geben wird. Ein Institut für Technikfolgeabschätzung wäre also weiterhin nicht schlecht.</p>
<p>Zweitens glaube ich, dass Technik und alle Produktionsmittel, die unter kapitalistischen Bedingungen entstanden sind, den Zwang zur Verwertbarkeit und damit auch die Zurichtung ihrer Nutzer_innen vollkommen eingeschrieben haben. Es gibt keine &#8222;neutrale&#8220; Technik, die im Kapitalismus nur falsch genutzt wird. Technik, die unter kapitalistischen Bedingungen entstanden ist taugt auch unter anderen gesellschaftlichen Verhältnissen nicht unbedingt zum schönen Leben.<br />
Platt gesagt: Die VW-Produktionsstraße, das o2-Callcenter und das iphone voll mit bescheuerten Warenform-Apps werden auch im Kommunismus keine tolle Art der Produktion/ Freizeitbeschäftigung sein, sondern müssen (auch materiell) mit verändert werden. Denn das erste Ziel, wenn etwas Neues im Kapitalismus entwickelt wird ist es ja, Profit zu bringen. Das es das Leben angenehmer macht, ist höchstens Mittel zum Zweck, gut verkauft zu werden.</p>
<p>Sicherlich gibt es Dinge, die schon im Bestehenden darüber hinausweisen und nicht komplett in der bestehenden Scheiße aufgehen (dieses sogenannte Internet z.B.). Diese wurde aber auch meist schon im bewussten Widerspruch oder zumindest in kritischer Distanz dazu entwickelt. Und ich will auch gar nicht leugnen, dass nach Verwertungsaspekten entwickelte Technik mitunter „aus Versehen“ einen emanzipatorischen Überschuss haben (da zählt vermutlich das iphone dazu), der auch das schöne Leben greifbarer macht. Aber es ist erst einmal von vornherein nicht so, so die Technik neutral, unideologisch und unbeeindruckt von gesellschaftlichen Verhältnissen rumsteht, und nur auf die sinnvolle Nutzung wartet.</p>
<p>Eins der zentralen Probleme der realsozialistischen Versuche des 20. Jahrhunderts lag darin, dass die Menschen einfach in die alten Scheißfabriken geschickt wurden und sich alle wunderten, warum die Arbeit jetzt nicht auf einmal Spaß macht, obwohl die Arbeitenden jetzt doch ihre eigenen Produkte herstellen. Dass die Fabriken immer noch so aussahen wie vorher und das Arbeiten dort immer noch Stress bedeutete, hatte sicherlich wiederum viel damit zu tun, dass nach wie vor Waren produziert wurden, bzw. der sozialistische Dioxinrauch auch nicht die Atemwege befreite.</p>
<p>Technischer Fortschritt ist also immer beides: Möglichkeit zum schöneren Leben für alle und Möglichkeit des schlechteren Lebens für (fast) alle.</p>
<p>Liebe Grüße,<br />
K. aus der SaZ-Crew</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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